CYP2D6 ist eines der wichtigsten und am besten verstandenen, pharmakogenetisch relevanten Enzyme. Ca. 25% aller gängigen Arzneimittel werden durch CYP2D6 metabolisiert, darunter viele Antidepressiva, Antipsychotika, Antiarrhythmika, Betablocker, Opioid-Analgetika und Krebsmedikamente. Im CYP2D6-Gen unterscheidet man aufgrund der genetischen Variabilität zwischen den vier Metabolisierungstypen Extensive (EM), Intermediate (IM), Poor (PM) und Ultrarapid Metabolizer (UM). Traditionell galten zwei inaktive Genkopien als PM, eine inaktive und eine vermindert aktive Genkopien als IM, das Vorhandensein einer Genduplikation als UM und alles andere als EM. Inzwischen verwenden die Internationalen Konsortien jedoch ein komplexeres Scoringsystem, um den tatsächlich möglichen Abstufungen der Genaktivität besser gerecht zu werden. Das am weitesten ausgereiftes Modell wurde vom Clinical Pharmacogenetics Implementation Consortium (CPIC) erarbeitet. Hiernach werden für die verschiedenen möglichen Haplotypen näherungsweise folgende Activity Scores festgelegt:
o Haplotypen mit normaler Aktivität (wie *1): 1.0
o Haplotypen mit verminderter Aktivität (wie z.B. *17, *29, *41): 0.5
o Haplotyp *10 mit stark verminderter Aktivität: 0.25
o Haplotypen ohne Aktivität (wie *3, *4, etc.): 0.0
In Abhängigkeit von der Anzahl der Genkopien, die – anders als in den meisten anderen Genen – in CYP2D6 nicht immer zwei beträgt, sondern durch Deletion und Duplikationen auch bei null, eins oder Werten über zwei liegen kann, wird daraus schliesslich der Activity Score des vorliegenden Diplotyps berechnet, der wiederum einem der o.g. Metabolisierungstypen zugeordnet wird.